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Medizinische Fakten

Etwa 60.000 Frühgeborene werden pro Jahr in Deutschland geboren. Von einer Frühgeburt spricht man, wenn ein Kind vor Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche auf die Welt kommt. Eine normale Schwangerschaft dauert 40 Wochen. Die Frühgeborenenrate in Deutschland hat in den letzten zwanzig Jahren kontinuierlich zugenommen. Bei einer durchschnittlichen Geburtenrate von knapp 700.000 Kindern pro Jahr sind etwa 8,5% aller Neugeborenen Frühgeborene. Von den 60.000 Frühgeborenen pro Jahr kommen etwa 8.000 Kinder mit einem Geburtsgewicht von unter 1.500 Gramm zur Welt. Die Fortschritte in der Perinatalmedizin und der neonatologischen Intensivmedizin haben in den vergangenen 30 Jahren zu einer überwältigenden Steigerung der Überlebenschancen in allen Geburtsgewichtsklassen und bei schweren Fehlbildungen geführt. Die Überlebensrate kleiner und sehr kleiner, vor der 32. Woche geborener Kinder liegt deutlich höher als noch vor zehn Jahren.


Situation der Eltern

Die Geburt eines Kindes ist für Eltern ein einschneidendes Erlebnis, das zu vielen Veränderungen führt. Wird ein Kind zu früh geboren, kann es zu erheblichen Belastungen auf der körperlichen, psychischen und sozialen Ebene führen. Auf der neonatologischen Intensivstation übernehmen die Krankenschwestern den überwiegenden Anteil der Pflege. Den Eltern ist es nur sehr begrenzt möglich, Kontakt zu ihrem Kind aufzunehmen. Häufig liegt das Kind im Inkubator. Apparate, Kabel und Monitore bilden zusätzliche Barrieren. Dem natürlichen Bedürfnis nach direktem Körperkontakt zu ihrem neugeborenen Kind können Mütter und Väter nicht nachgehen. Studien haben herausgefunden, dass das Bindungsverhalten Frühgeborener häufig Unsicherheiten aufweist, wenn das Frühchen lange Zeit im Inkubator verbracht hat. Aus einem fehlgeschlagenen Beziehungsaufbau können dauerhafte Beeinträchtigungen der kognitiven, sozialen und emotionalen Entwicklung des Kindes resultieren.

Die Eltern frühgeborener und kranker neugeborener Kinder erleben daher nach der Geburt Phasen großer Verunsicherung, Sorge und Belastung. Die Grundlagen einer stabilen Elternschaft werden insofern stark belastet. Der Einfluss der elterlichen Emotionen auf das Kind ist jedoch von entscheidender Bedeutung für seine Entwicklung: Ruhige und gelassene Eltern vermitteln dem frühgeborenen und kranken neugeborenen Kind Ruhe und Vertrauen.

Hier setzt die psychosoziale Elternbetreuung der Deutschen Kinderhilfe an. Das Ziel des Frühförderprogramms für Eltern mit frühgeborenen und kranken neugeborenen Kindern ist, die Sicherheit im Umgang mit der Situation und dem Kind zu erhöhen und so die Handlungsfähigkeit der Eltern zu stärken. Damit wird die Entstehung einer optimalen Eltern-Kind Bindung gefördert.


Psychosoziale Betreuung für Eltern frühgeborener und kranker neugeborener Kinder

Die professionelle Betreuung der Eltern frühgeborener und kranker neugeborener Kinder bedeutet immer eine individuelle und multidisziplinäre Versorgung. Eine besondere Herausforderung der Elternberatung auf der neonatologischen Intensivstation stellt die multidisziplinäre Zusammenarbeit mit allen anderen beteiligten Professionen dar. Ziel ist es, alle Aspekte einer besonderen familiären Belastungssituation zu erfassen, damit eine zeitnahe und zielgerichtete Unterstützung angeboten werden kann.

Die Elternberaterinnen, die neben ihrer Ausbildung als Sozialpädagoginnen ebenfalls die Zusatzqualifikation einer Casemanagerin haben, stehen den Eltern in zahlreichen Fragen zur Seite. Nicht nur in der Situation direkt nach der Geburt benötigen Eltern Beratung, sondern auch in Fragen, die im Zusammenhang mit der Entlassung stehen – wie die Erledigung von Behördenangelegenheiten und die Alltagsbetreuung von entwicklungsverzögerten Kindern nach der Elternzeit – sind sie auf Orientierungshilfen angewiesen. Die professionelle Elternberatung fungiert insofern als Schnittstelle zum Jugendhilfesystem und gewährleistet eine professionelle Überleitung in Nachsorgeprogramme.

Das professionelle Beratungsangebot steht den Eltern während des stationären Aufenthaltes, abgestimmt auf die verschiedenen Phasen der Kindesentwicklung und Elternschaft, kontinuierlich zur Verfügung. Das Angebot ist freiwillig, so dass Eltern selbst entscheiden können, wann sie welche Form der Hilfe in Anspruch nehmen möchten.